Goodbye Deutschland – Hello Phuket!

Lange Winter, kurze Sommer, schlechte Zukunftsperspektiven – es gibt viele Gründe, die dafür sprechen können, Deutschland den Rücken zu kehren und auszuwandern. TV-Sendungen wie ‚Goodbye Deutschland‘ oder ‚Die Auswanderer‘ erleben momentan einen regelrechten Boom. Doch oft genug zeigen sie auch die Tücken und Fallstricke, mit denen Auswanderer an ihrem Traumziel zu kämpfen haben – vor allem dann, wenn sie schlecht vorbereitet sind.

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Robert Bauer (72) wanderte schon vor acht Jahren nach Phuket aus. Dem gelernten Gastronom wurde kurz vor seinem Renteneintritt klar, dass er mit seiner bescheidenen Rente in Deutschland keinen großen Sprünge machen kann. Er kannte Thailand bereits von zahlreichen Urlauben: „Ich war sofort von der Freundlichkeit und Höflichkeit der Thai begeistert, gerade älteren Menschen gegenüber.“

Nicht nur wegen der niedrigen Lebenshaltungskosten und dem sprichwörtlichen Respekt der Einheimischen vor dem Alter ist Thailand gerade für Rentner ein beliebtes Auswanderungsziel. Das tropische Klima ist ideal für Patienten mit Altersbeschwerden, die ausgewogene und vitaminreiche Küche wirkt sich positiv auf Vitalität und Wohlbefinden aus und die Gesundheitsversorgung ist für ein asiatisches Land erstaunlich gut und dabei günstig.

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Bei all den Vorzügen sollten jedoch vorab einige Punkte beachtet werden, denn allzu schnell kann der Traum von der neuen Tropenheimat wie eine Seifenblase platzen.

Aufenthaltserlaubnis in Thailand

Die Einwanderungspolitik ist in Thailand recht rigide. So ist es für einen Farang (Fremden) nur mit viel Mühe und Engagement möglich, die thailändische Staatsangehörigkeit zu erlangen. Allein schon die Erlangung eines Daueraufenthaltsgenehmigung (Residential Permit) ist mit einem bürokratischen Rattenschwanz und sehr hohen Gebühren verbunden.

Die meisten Auswanderer gehen daher den Weg des geringeren Widerstandes und begnügen sich mit Jahresvisa. Ein Jahresvisum ist im Grunde genommen nur ein auf ein Jahr verlängertes Non-Immigrant-Visum, das man beantragen kann, sofern man ein Vermögen von 800.000 THB (ca. 18.000 €) auf einem thailändischen Konto vorweisen kann oder monatliche Einkünfte von mindestens 65.000 THB (ca. 1.450 €) nachweisen kann.

Lebenshaltungskosten auf Phuket

Die Kosten für Wohnung und Ernährung sind in Thailand wesentlich niedriger als in Westeuropa. So ist eine Wohnung oder ein Bungalow für zwei Personen bereits für 10.000 THB (ca. 225 €) monatlich zu mieten. Hinzu kommen etwa 3.500 THB (ca. 80 €) Nebenkosten für Strom, Wasser, Abfallgebühren, Internetanschluss, Trinkwasserlieferungen usw.

Für Nahrungsmittel sollten etwa 8.000 THB (ca. 180 €) im Monat veranschlagt werden, sofern man überwiegend zuhause kocht. Allerdings ist auswärtiges Essen nicht übermäßig teurer: Gute europäische Mahlzeiten bekommt man abseits der touristischen Hotspots bereits für 180 THB (ca. 4 €), Thaifood sogar schon für 45 THB (ca. 1 €).

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Hinzu kommen noch Kosten für Mobilität (monatlich 1.500 THB, also ca. 34 €) sowie für den Wäscheservice, der mit durchschnittlichen Kosten von monatlich ca. 1.000 THB (ca. 22 €) so günstig ist, dass sich eine eigene Waschmaschine kaum noch lohnt.

Die durchschnittlichen Fixkosten für einen Monat liegen auf Phuket somit bei etwa 25.000 THB (ca. 560 €). Hinzu kommen noch individuelle Kosten für Vergnügen, Gesundheit und Visaverlängerungen.

Steuern zahlen in Thailand

Thailand ist zwar ein Ferienparadies aber keine Steueroase. Daher empfiehlt es sich, genau abzuwägen ob sich eine Besteuerung beispielsweise der Rente in Deutschland mehr lohnt als in Thailand. Dank des Doppelsteuerabkommens kann sich ein in Thailand lebender Rentner nämlich aussuchen, ob er seine Einkommenssteuer in Thailand oder in der alten Heimat abführt. Die thailändischen Steuersätze liegen zwischen 10 Prozent (Jahreseinkommen bis 500.000 THB = ca. 11.000 €) und im Höchstfall 37 Prozent (Jahreseinkommen über 4.000.001 THB = ca. 90.000 €). In jedem Fall gilt auch für Ausländer die Mehrwertsteuer in Höhe von 7 Prozent. Beim Auto- oder Motorradkauf fallen zusätzlich KFZ-Steuern an, die je nach Wagenklasse zwischen 10 Prozent (Pick Up) und 120 Prozent (Luxuslimousine) liegen. Zudem gibt es eine Zinsabschlagsteuer in Höhe von 15 Prozent, die bei Zinsgewinnen anfällt.

Mentalität der Thai

Was im Urlaub noch als liebenswürdige Gemütlichkeit verklärt wird, kann bei einem Daueraufenthalt durchaus an den Nerven zerren: Der allgemeine Schlendrian, der sich auch auf Phuket wie ein roter Faden durchs Alltagsleben zieht. Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Fleiß – wer viel Wert auf preußische Sekundärtugenden legt, sollte gar nicht erst daran denken, sich in Thailand dauerhaft niederzulassen.

Die Gründe für die Gelassenheit der Thai sind vielfältig und man würde es sich allzu leicht machen, wenn man ihre Mentalität einfach nur auf das heiße Klima und eine daraus resultierende Trägheit reduzieren würde. Schließlich kann man sich ausmalen, wie effizient wohl ein deutscher Bauarbeiter bei 35°C im Schatten bei 90 Prozent Luftfeuchtigkeit arbeiten würde.

Die Thai sind Meister in Sachen Improvisation und Flexibilität – und genau das sollte man auch als Farang in großen Mengen mitbringen, wenn man in Thailand nicht innerhalb kürzester Zeit verzweifeln möchte. Das gilt für Handwerker genauso wie für Behördengänge oder größere Anschaffungen. Am besten man plant im Vorfeld immer die doppelte, besser sogar die dreifache Zeit für jedes Vorhaben ein – das ist dann für alle Beteiligten enstpannter. Robert Bauer sieht es jedenfalls gelassen: „Je weniger ich mich aufrege, desto mehr kommen mir die Leute entgegen – das ist meine Art der Integration hier.“

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